Hochwasservorsorgekonzept für die
Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues

Die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues erstellt Vorsorgekonzepte zur Bewältigung von Überschwemmungen durch zukünftige Hochwasser- und Starkregenereignisse.

In Zusammenarbeit mit Fachbehörden und Maßnahmenträgern sowie im Rahmen einer intensiven Bürgerbeteiligung werden wirksame Maßnahmenkonzepte für die Stadt und die Ortsgemeinden erarbeitet. Neben einer aktiven Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, werden in die Erarbeitung wirksamer Maßnahmen und Strategien zur öffentlichen und privaten Vorsorge vor Überschwemmungen auch weitere Stellen, Fachbehörden, Träger öffentlicher Belange und Multiplikatoren eingebunden.

Gefährdung durch Hochwasser und Starkregen 

Stadt Bernkastel-Kues

Die Stadt Bernkastel-Kues ist durch ihre Lage im Moseltal sowohl von Flusshochwasser als auch von Sturzfluten nach Starkregen bedroht. Außerdem kann wild abfließendes Wasser bei Starkregen die Wasserführung kleiner Gewässer schnell ansteigen lassen. Sowohl Flusshochwasser der Mosel als auch Überschwemmungen nach Starkregen haben in der Vergangenheit Schäden in Bernkastel-Kues angerichtet. So kam es z. B. im Stadtteil Wehlen 2017 mehrfach zu Feuerwehreinsätzen wegen Starkregen und zuletzt Anfang 2020 war fast die ganze Verbandsgemeinde von Flusshochwasser betroffen.

Die Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten des Landes Rheinland-Pfalz zeigen die von Flusshochwasser der Mosel gefährdeten Flächen in der Stadt, in Wehlen und Andel. Darüber hinaus kann im gesamten Stadtgebiet, auch entfernt von Gewässern, Starkregen Schäden durch wild abfließendes Wasser und Sturzfluten anrichten. Im Bereich der Talhänge können Straßenzüge und Gebäude bei Starkregen durch Sturzfluten und im Extremfall Schlamm- und Geröllabgänge bedroht sein. Nach Starkregen kann der Wasserstand kleiner Gewässer und Gräben schnell ansteigen und zu Überschwemmungen führen. Die Starkregengefahrenkarte der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues weist eine hohe potenzielle Gefährdung vieler Bereiche durch Sturzfluten und Überschwemmungen nach Starkregen aus.

Ortsgemeinden in der VG

Neben der Stadt Bernkastel-Kues lässt die Verbandsgemeinde auch für die Ortsgemeinden Starkregen- und Hochwasservorsorgekonzepte aufstellen. Seit 2019 werden in einer ersten Runde bereits Konzepte für neun Ortsgemeinden erarbeitet. Ende 2020 erfolgt der Projektbeginn zu Erstellung der Konzepte für weitere 13 Ortsgemeinden durch das Planungsbüro Hömme GbR.

Ortsbegehungen

Ergänzend zur Karten- und Datenanalyse finden Ortsbegehungen in den Stadtteilen Bernkastel, Kues, Andel, Wehlen und auf dem Kueser Plateau statt sowie in allen in der Karte dargestellten Ortsgemeinden. Gemeinsam mit Vertretern der Stadt bzw. Ortsgemeinden, der Verwaltung, der Werke und der Feuerwehr wird das Planungsbüro die gewässer- und hochwasserrelevanten Bereiche sowie die möglichen Gefahrenstellen bei Starkregen besichtigen, um auch bereits vor den Bürgerworkshops die neuralgischen Punkte zu kennen und gesehen zu haben. Lesen Sie hier eine kurze Rückschau zu den einzelnen Begehungen.

ORTSBEGEHUNG WEHLEN

20.08.2020

Mit Ortsvorsteherin Getrud Weydert und dem Stadtbürgermeister Wolfgang Port wurden zunächst im Haus Kaspari die Gefährdungslage anhand des vorliegenden Kartenmaterials besprochen. Anschließend führten die Ortsvorsteherin und ein Vertreter der Verbandsgemeindewerke das Planungsbüro zu den neuralgischen Punkten im Ort und im Außengebiet oberhalb der Ortsumgehung.

Bereits bei deren Bau wurde darauf geachtet, das Oberflächenwasser, welches aus dem großen Außengebiet Richtung Ortslage abfließt, zu berücksichtigen und die Entwässerungseinrichtungen an der Landesstraße entsprechend zu planen. Hierzu wurde damals ein hydrologisches Gutachten durch den LBM erstellt, welches bei der weiteren Erarbeitung des Vorsorgekonzeptes als Grundlage dienen soll. Grundsätzlich hilft die Umgehungsstraße der Ortslage immens, da sie den direkten Abfluss der Gewässer und auch Abflusskonzentrationen durch Starkregen, innerhalb von Geländemulden und Tiefenlinien, in die Ortslage unterbricht. Die Ortslage selbst ist im Wesentlichen hochwassergefährdet durch die Mosel. Durch Starkregen besteht jedoch auch die Gefahr eines Übertretens des Krausbaches, der innerhalb des Orts in zwei Abschnitten – an der Straße Am Krausbach und oberhalb der Turnhalle – offen verläuft. Hier sollen innerhalb des Konzeptes das Gefährdungspotenzial abgeschätzt und Lösungen zur Entschärfung der Situation erarbeitet werden.

ORTSBEGEHUNG ANDEL

18.08.2020

Soeben fand die erste Ortsbegehung für die Stadt Bernkastel-Kues durch den Ortsteil Andel statt. Die einzelnen, bekannten Gefahrenlagen wurden vom Ortsvorsteher Uwe Hoffmann sowie mithilfe einiger Vertreterinnen und Vertretern der VG-Werke, des lokalen Bauhofes und des Ortsbeirates aufgezeigt und detailliert erläutert. Entlang des Bahndammes, von dem man einen Blick auf Veldenzer Straße hatte, die während diverser Niederschlagsereignisse als stark wasserführend beschrieben wurde, wurde das Planungsbüro über die Poststraße zur Waldstraße geführt, die bei vergangenen (starken) Regenfällen gezielt Wasser in die Ortslage eingetragen hat, wodurch einige Gebäude entlang des Straßenzuges betroffen waren. Gespeist wurde dieser Oberflächenabfluss von den Flächen oberhalb sowie aus dem übertretendem Goldbach, der infolge von Verklausungen im Bachbett über die die Ufer trat, sodass das Wasser sowohl über den Straßenzug selbst als auch über die angrenzenden Grünflächen der bebauten Ortslage zugeführt wurde. Im vergangenen Jahr kam erschwerend hinzu, dass sich ein Zaun entlang der Waldstraße zusetzte, sodass der Abfluss konzentriert und sturzflutartig die Straßen hinunter schoss. Eine Option, die zumindest hinsichtlich der Betroffenheit einiger Anlieger Abhilfe leisten könnte, besteht darin, die Bankette entlang des Entwässerungsgrabens regelmäßig abzuschälen sowie die vorhandene gepflasterte Mulde freizuhalten, um zumindest einen Großteil der Außengebietsentwässerung (wie vorgesehen) im Graben zu führen. Wesentlich wichtig ist auch die Betrachtung der Situation rund um den Goldbach (oberhalb der Waldstraße), des daran anschließenden Entwässerungsgrabens angrenzend zum Wohnviertel Akazieneck und weiterer Entwässerungseinrichtungen in diesem Bereich, um die Gefahrenlage der Waldstraße bereits im Vorfeld zu entschärfen. Diesbezüglich konnten einige Anhaltspunkte vom Planungsbüro Hömme dargestellt und erklärt werden, welche es im weiteren Projektverlauf auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen gilt. In diesem Zusammenhang wurden auch Maßnahmen festgehalten, die kurzfristig umgesetzt werden können und die die jeweils anwesenden Zuständigen entsprechend protokolliert haben. 

Weitere Inhalte der Ortsbegehung bezogen sich u.a. auf:

  • Starkregenabfluss über die Goldbachstraße
  • Betroffenheit durch Hochwasser
  • innerörtliche Neubauvorhaben mit Blick auf die Notwendigkeit der Berücksichtung der Starkregenvorsorge

 

Workshops

Vorgesehen ist die Durchführung von vier Bürgerforen für die Bereiche Bernkastel-Kues, Andel, Wehlen und das Kueser Plateau. In den Ortsgemeinden wird ebenfalls jeweils ein separater Workshop für die Bürgerinnen und Bürger stattfinden. Die Termine dazu werden noch bekanntgegeben.

Die Workshops dienen zum einen als Informationsveranstaltung und zum anderen zur Mitarbeit. In Arbeitsgruppen sollen die bisherigen Erfahrungen bei Hochwasser und mit Starkregen zusammengetragen und über Verbesserungen diskutiert werden. Die Termine werden rechtzeitig öffentlich bekanntgemacht, eine kurze Zusammenfassung lesen Sie im Anschluss an die Veranstaltung hier.

Workshop Bernkastel und Kues

2. September 2020

Der erste städtische Workshop zum Vorsorgekonzept fand für die beiden Stadtteile Bernkastel und Kues in der Güterhalle statt. Die Teilnahme war sehr gering, dennoch informativ für alle Beteiligten. Weniger als die angemeldeten 14 Personen fanden sich zum ersten der geplanten vier Workshops für die Stadt in der Güterhalle in Kues ein. Die übliche Durchführung des Workshops mit Präsentation und anschließender Gruppenarbeit musste coronabedingt verändert werden, um die Hygienauflagen erfüllen und die notwendigen Abstände einhalten zu können. 

Der Beigeordnete Alfred Port eröffnete die Veranstaltung in Vertretung des Stadtbürgermeisters und übergab Volker Thesen vom beauftragten Planungsbüro Hömme das Wort. In einer rund einstündigen Präsentation wurden die Anwesenden gleichermaßen über das Thema und das Projektvorgehen informiert als auch hinsichtlich der konkreten Gefährdungslage im Stadtgebiet bei Flusshochwasser und durch Starkregenabfluss sensibilisiert. Anschaulich verdeutlicht wurde anhand von Kartenmaterial und Foto-Dokumentationen vergangener Ereignisse, welche Erfahrungen bisher gemacht wurden und wie schlimm es dennoch kommen könnte. Aus diesem Grund wurde auch das Thema Eigenvorsorge explizit angesprochen: Wer muss sich schützen? Was kann man tun? Wie verhalte ich mich im Ernstfall? Worauf muss ich achten?

Anstelle der Gruppenarbeit an Arbeitstischen wurden zunächst die bereits erarbeiteten Problemstellen benannt und vorgestellt und anschließend dazu bestehende Erfahrungen im Plenum abgefragt. Ergänzend dazu wurden weitere Hinweise, Anregungen und neuralgische Punkte benannt, die im weiteren Verfahren durch das Planungsbüro betrachtet werden sollen. Im Wesentlichen sind bereits folgende Punkte erfasst, die im Konzept behandelt und für die Maßnahmen geprüft und bei Erfordernis definiert werden sollen:

  • Kallenfelsbach
  • Tiefenbach
  • Stadtteil Alte Brauerei
  • Schlossweg
  • Kapellenstraße/ Friedhof
  • Weingartenstraße und Kardinalstraße
  • Panoramastraße/ Rebschulweg