Hochwasservorsorgekonzept für die
Interkommunale Zusammenarbeit der VG Daun und Gerolstein

Im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit wird ein grenzenübergreifendes Vorsorgekonzept für die Ortsgemeinden Pelm und Berlingen der Verbandsgemeinde Gerolstein und die Ortsgemeinden Hinterweiler und Kirchweiler der Verbandsgemeinde Daun zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge erarbeitet.

Hochwasser- und Starkregenereignisse können wir nicht verhindern, und wir können uns auch nicht vollständig vor diesen Naturgefahren schützen. Größere Hochwasser als bisher sind möglich. Deshalb ist in jeder potenziell betroffenen Ortschaft, ob mit oder ohne Schutz­ anlage, Versorge erforderlich, um sich besser auf Hochwasser bzw. Starkregenereignisse vorbereiten zu können. Da das abfließende Wasser sich nicht an Gemarkungsgrenzen orientiert, wollen die Ortsgemeinden Pelm und Berlingen der Verbandsgemeinde Gerolstein und die Ortsgemeinden Hinterweiler und Kirchweiler der Verbandsgemeinde Daun bei der Hoch­wasser- und Starkregenvorsorge aufeinander abgestimmte Vorsorgekonzepte  erarbeiten. Die Starkregenereignisse von 2016 und 2018 in der Eifel zeigen, dass man jederzeit und an jedem Ort mit bisher nicht erlebten Niederschlagsereignissen und Schäden rechnen muss. Das Einzugsgebiet des Berlinger Baches verbindet und entwässert über den Hinterweiler Bach und den Kirchweiler Bach die vier Ortsgemeinden. In den Ortsgemeinden gibt es spezi­fische aber auch vergleichbare Problemstellen und Gefahrenbereiche. Daher ist eine Koope­ration über die Verbandsgemeindegrenzen hinweg sinnvoll, um Synergien zu nutzen, Erfah­rungen und Kenntnisse auszutauschen und auch aufeinander abgestimmte Maßnahmen festzulegen und umzusetzen. In der Ortsgemeinde Pelm sind darüber  hinaus  Gefahren durch Flusshochwasser der Kyll zu beachten.

Ortsgemeinden

Im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit wird ein Starkregen- und Hochwasservorsorgekonzept für die Ortsgemeinden Pelm und Berlingen (VG Gerolstein) sowie Hinterweiler und Kirchweiler (VG Daun) aufgestellt.

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Ortsbegehungen

Ortsbegehung Hinterweiler

29.06.2020

Sebastian Koch (Ortsbürgermeister) und ehemaliger Amtsinhaber Gerd Mertes führten das projektbeauftragte Planungsbüro durch die Ortslage und zeigten diejenigen Räumlichkeiten auf, die sich bei den Starkregenereignissen von 2016 und 2018 als besonders kritisch erwiesen haben.

Die Problematik der Ortsgemeinde ist sowohl auf die Topographie als auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass alle innerörtlichen Gewässerabschnitte überwiegend verrohrt vorliegen. Diese Verrohrungen bzw. die entsprechenden Durchlassbauwerke stellen insbesondere im Ereignisfall kritische Engstellen dar,  die für die Anlieger weitreichende Konsequenzen hervorrufen. Sowohl die zusätzliche Beaufschlagung des Hinterweilerbaches als auch des Ober- und Hintergrabens führten zu einer maßgeblichen Überlastung der Einlassbauwerke und infolgedessen zur massiven Wasserführung des Straßenzuges Zum Ernstfeld und der Hauptstraße. Umso wichtiger ist die Unterhaltung eben dieser Anlagen, sodass diese in einem grundsätzlichen leistungsfähigen Zustand gehalten werden, um bei Starkregen zumindest eine gewisse Wassermenge bewirtschaften zu können.

Hinzu kamen erhebliche Starkregenabflusskonzentrationen südöstlich, aber auch südwestlich der Ortslage, welche zur zusätzlichen Beaufschlagung der innerörtlichen Straßen und Überlastung der Durchlässe führten. Letztere stauten u.a. eine Grünfläche vor dem Bebauungsriegel der Hauptstraße ein. Diese liegt tiefer als das Straßenniveau und verfügt über keine entlastende Abfließmöglichkeit unter der K 35, sodass das Wasser hier auch beim üblichen Bemessungsregen steht und ein massives Schadenspotenzial für die angrenzende Bebauung darstellt.

Ortsbegehung Kirchweiler

04.06.2020

Der Kreis der Ortskundigen, mit welchem das projektbeauftragte Büro Hömme eine detaillierte Bestandsaufnahme vor Ort durchführte, setzte sich aus dem Ortsbürgermeister Rainer Berlingen, einem Gemeindearbeiter, zwei Mitgliedern des Gemeinderats und einem Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr zusammen. 

Ein Anliegen war zunächst einmal zu eruieren, wo Oberflächen- bzw. Starkregenabfluss entsteht und an welcher Stelle die bebaute Ortslage hiervon betroffen ist. Ein zeitlicher Bezugspunkt stellte hierbei vor allem das Ereignis  von 2016 dar.  

Ein Problempunkt wird für die Entwässerung der L 28 und der oberhalb angrenzenden Flächen berichtet, welche von hinten (im Versagensfall der hierfür vorgesehenen Einrichtungen) in Richtung des Bebauungsriegels der Hauptstraße weitergeleitet wird. Eine Ursache sehen die Anwesenden u.a. im (Unterhaltungs-) Zustand des Enwässerungsgrabens. Elementar ist hier, dass dieser auch von Grünschnitt freizuhalten ist, sodass der Abfluss weitestgehend ungehindert im Graben geführt werden kann und es nicht zum Übertritt des Wassers in Richtung der Bebauung kommt. Darüber hinaus wurde auf einen Abschnitt des Grabens verwiesen, der mittlerweile nicht mehr tief genug dimensioniert ist, um das Wasser kontrolliert führen zu können. 

Ein ähnliches Problem zeigte sich für die L 27, Ortsausgang in Richtung Neroth: der Entwässerungsgraben liegt zwar gemäht vor, jedoch wurde auch hier der Grünschnitt nicht beseitigt, sodass die Leistungsfähigkeit hinsichtlich einer kontrollierten Wasserführung maßgeblich beeinträchtigt ist und sich der Durchlass bzw. das Rost schnell mit Material zusetzt, was wiederum zum Überströmen des Bauwerks und infolgedessen zu einem erheblichen Oberflächenabfluss über die Hauptstraße in Richtung Ortsmitte führt. 

Für beide Bereiche wurden erste Handlungsoptionen im Sinne einer (schnellen) Entschärfung der Gefahrenlagen festgehalten. Darüber hinaus wurden auch Lösungen erläutert und diskutiert, welche es nun im weiteren Projektverlauf hinsichtlich deren Umsetzbarkeit zu prüfen gilt. 

Am Kirchweiler Bach wurde es besonders am Durchlass an der Hauptstraße brenzlig. Bei Starkregen führt das Gewässer viel Treibgut, welches das Bauwerk bzw. die Rostanlage, unmittelbar zusetzte und den notwendigen Abfluss in die Verrohrung blockierte. Das Bauwerk wurde 2016 infolgedessen massiv überströmt und der Abfluss in Fließrichtung weitergeleitet, wodurch einige Anlieger der Hauptstraße betroffen waren. Ziel sollte an dieser Stelle die Entlastung des Durchlasses, inklusive des Rostes sein, indem das Treibgut bereits im Vorfeld abgefangen wird. Einen diesbezüglich geeigneten Standort für eine solche Rechenanlage gilt es nun im weiteren Projektverlauf zu prüfen. 

Neben der Sichtung der eigenen Problempunkte und der Diskussion diesbezüglich geeigneter Lösungsansätze wurde auch die Gefährdung Berlingens durch das Abflussverhalten des Kirchweilerbaches und sonstiger Abflusskonzentrationen, nordwestlich der bebauten Ortslage Kirchweilers, thematisiert. Im Sinne einer grenzübergreifenden Starkregenvorsorge wurden seitens des Planungsbüros geeignete Optionen einer sukzessiven Wasserpufferung erläutert, die in diesem Bereich am Gewässer umgesetzt werden könnten, um die nachfolgende Ortslage bei Starkregen zu entlasten. Auch diesen Vorschlag gilt es im weiteren Projektverlauf, unter Beteiligung der jeweiligen Zuständigkeiten und Flächeneigentümer, zu erörtern.

Weitere Inhalte der Ortsbegehung bezogen sich u.a. auf:

  • die Teichanlage, als potenzieller Wasserspeicher im Bedarfsfall
  • das in der Vergangenheit angedachte Erdbecken am Kirchweiler Bach zur zusätzlichen Rückhaltung vor der bebauten Ortslage
  • Starkregenabfluss in der Straße Weidenpesch
  • Neubaugebiet „Auf dem Kissen“

Ortsbegehung Berlingen

25.05.2020

Zur ersten Bestandsaufnahme der bekannten als auch der potenziellen Problem- und Risikolagen trafen sich der Ortsbürgermeister Erwin Schüller, ein Beigeordneter und zwei Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr sowie das projektbeauftragte Planungsbüro Hömme. Schnell wurde bei der Begehung des Berlinger Baches deutlich, dass innerorts nur begrenzt bis keine Flächenpotenziale bestehen, dem Gewässer mehr Raum zu geben und somit das Schadensausmaß potenziell zu verringern. Der Fokus sollte demnach darauf ausgerichtet sein, auf einem anderen Weg Schadensbegrenzung zu betreiben, beispielsweise indem an den Brücken sogenannte Notabflusswege bzw. -möglichkeiten gewährleistet werden, sodass die im Ereignisfall übertretenden Wassermassen wieder dem Bachlauf zugeführt werden können und der Abfluss nicht etwa gezielt, über angrenzende Straßenzüge zu weiteren bebauten Arealen geleitet wird. In diesem Zusammenhang wurden Möglichkeiten festgehalten, die einen solchen vergleichsweise schadarmen Abfluss generieren bzw. unterstützen können. Potenziale bestehen diesbezüglich grundsätzlich bei der Gestaltung der Brücken und Durchlässe bzw. des Brückenumfelds: hier gilt es, wenn möglich alle Hindernisse (z.B. Mauern) zu beseitigen, sodass die Wassermassen die Brückenbauwerke überströmen und anschließend wieder möglichst im Bachlauf durch die Ortslage geführt werden können.

Im Anschluss wurde der Berlinger Bach und das Gewässerumfeld, östlich der bebauten Ortslage, unter die Lupe genommen und der Auslöser für die sturzflutartigen Wassermassen, welche schlagartig durch Berlingen rauschten, erläutert. Eine umgestürzte Weide hatte den Abfluss des Berlinger Baches im Vorfeld behindert, sodass es am 7. Juni 2016, infolge der lang anhaltenden Niederschläge, zu einer Art Dammbruch kam, welcher auf einen Schlag die angestauten Wassermassen in Richtung Berlingen leitete. In diesem Zusammenhang äußerten die ortsansässigen Teilnehmer der Begehung den Wunsch nach einer bewussten Rückhaltung im Außengebiet. Nach der Begutachtung der örtlichen Gegebenheiten konnte eine potenzielle Lösung erarbeitet werden, welche es nun im weiteren Projektverlauf zu prüfen gilt. Diese zielt im Wesentlichen auf eine sukzessive Rückhaltung ab, welche möglichst kostengünstig und ohne einen erheblichen Eingriff in die örtlichen Gegebenheiten umgesetzt werden kann. 

Weitere Inhalte der Ortsbegehung bezogen sich auf

  • das Neubaugebiet an der Mühlenstraße, inklusive der vorherrschenden Topographie, welche einen Starkregenabfluss begünstigt
  • (Starkregen-) Abflusskonzentrationen vom Alterfaß, welche aktuell Richtung Bebauung geführt werden (hier wurden Möglichkeiten der Entschärfung der Problemlage protokolliert)

Ortsbegehung Pelm

11.03.2020

Die Ortsbegehung liefert neben den nachfolgenden Bürgerworkshops eine wichtige Informationsgrundlage, auf welcher im weiteren Projektverlauf passende Maßnahmen in weiterer Abstimmung mit den Zuständigkeiten formuliert und im Konzept festgehalten werden. Dieser Schritt ist unerlässlich, sodass sich das projektbegleitende Planungsbüro Hömme mithilfe der Erfahrungswerte des Ortsbürgermeisters, im Fall von Pelm Herr Leo Meeth, Vertreter der Feuerwehr und Gemeindearbeiter ein Bild vor Ort und von den bekannten kritischen Stellen machen kann, um diese Informationen bei den Workshops mit den Bürgerinnen und Bürgern ergänzen und vertiefen zu können. Aufgrund des derzeitigen Flurbereinigungsverfahrens, welches u.a. Flächen Pelms beinhaltet, waren zu der Ortsbegehung auch Vertreterinnen und Vertreter des DLR und der ADD gekommen, um sinnvolle Synergien zu identifizieren, sodass im Zuge der Flurbereinigung auch Aspekte der Starkregen- und Hochwasservorsorge Berücksichtigung finden können.

Gegenstand der Ortsbegehung war beispielsweise der Berlinger Bach, welcher beim Ereignis im Jahr 2016 Berichten und Videoaufnahmen zufolge ein zerstörerisches Ausmaß angenommen hat und zu erheblichen Schäden im Umfeld führte. Hier wurden unterschiedliche Problemstellen identifiziert, von denen auch künftig ein hohes Schadenspotenzial ausgeht. Bereits beim vergangenen Ereignis wurden private Bauten und Lagerungen, welche sich im unmittelbaren Gewässerumfeld befanden, mitgerissen und führten an nachfolgenden Brückenbauwerken zu Verklausungen. In diesem Zusammenhang wurde zum Zeitpunkt der Begehung eine privat errichtete Brücke aus Paletten-Elementen erfasst, welche unverzüglich zu entfernen ist. Diese Information wurde bereits an die zuständigen Behörden weitergegeben. Die Grundstücksnutzung direkter Gewässeranlieger ist grundsätzlich ein sensibles, sehr wichtiges Thema, welches in Pelm nicht nur am Berlinger Bach sondern auch am Geesbach unbedingt Berücksichtung finden und offen kommuniziert werden sollte. Dieses Thema wird auch im Rahmen der Auftaktveranstaltung und der nachfolgenden Bürgerworkshops aufgegriffen. Darüber hinaus dienen die Bürgerworkshops der Aufklärung hinsichtlich verschiedener Handlungsoptionen der Eigenvorsorge.

Des Weiteren wurden in Pelm u.a. folgende Beobachtungen und Anmerkungen aufgenommen:

  • Erweiterung der Rückhaltung am Henkersbach
  • Optimierung des Einlassrosts an der Verrohrung Henkersbach unterhalb der Hauptstraße

Workshops

Eindrücke aus den Bürgerveranstaltungen stellen wir Ihnen hier im Anschluss zeitnah zur Verfügung.