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Die Projektbearbeiterin Caroline Liebscher stellte im Rahmen der Veranstaltung die Starkregengefahrenkarten sowie die Hochwassergefahrenkarten für die Stadt Speicher vor. Dabei erklärte sie die Inhalte und Darstellungen der Karten, ging auf deren Aussagekraft ein und zeigte zugleich die Grenzen der zugrunde liegenden statistischen Berechnungen auf. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der privaten Eigenvorsorge: Angesichts zunehmender extremer Wetterereignisse wurde die Bedeutung individueller Schutzmaßnahmen und der Eigenverantwortung jedes Einzelnen deutlich herausgestellt.
Anschließend griff sie die im Rahmen der vorangegangenen Ortsbegehung identifizierten Problemlagen auf und veranschaulichte bekannte sowie potenzielle Gefahrenstellen. Den Abschluss bildete ein offener Austausch mit den Teilnehmenden, bei dem Erfahrungen, Hinweise und Anregungen gemeinsam diskutiert wurden.
Eine besonders vulnerable Problemlage stellt der Markt im Zentrum der Ortslage dar. Hier konzentrieren sich sowohl oberflächlich abfließende Wassermengen aus den umliegenden Höhenlagen als auch Zuflüsse aus dem Kanalnetz. Diese Überlagerung führt im Ereignisfall zu erheblichen Belastungen und insbesondere im Jahr 2018 zu einer erheblichen Betroffenheit der umliegenden Bebauung.
Im Hinblick auf das Kanalnetz sind die Handlungsmöglichkeiten begrenzt. Kanäle werden auf einen sogenannten Bemessungsregen ausgelegt, also auf statistisch definierte Niederschlagsereignisse mit einer bestimmten Wiederkehrwahrscheinlichkeit. Extremereignisse, wie sie im Zuge von Starkregen zunehmend auftreten, überschreiten diese Bemessungsgrundlagen deutlich. Eine technische Auslegung für solche seltenen, aber sehr intensiven Ereignisse ist weder wirtschaftlich noch praktisch umsetzbar. Entsprechend kann das Kanalnetz solche Abflussmengen nicht vollständig aufnehmen oder schadlos ableiten. Vor diesem Hintergrund wurde unter anderem eine hydraulische Entlastung des Kanalsystems diskutiert. Bei Vollfüllung könnte Wasser über ein Entlastungsrohr in den Weilerbach südwestlich der Maarstraße abgeführt werden. Ob und in welcher Form eine solche Maßnahme realisierbar ist, soll im weiteren Projektverlauf geprüft werden. Dabei spielen sowohl technische Aspekte als auch Fragen der Finanzierung und möglicher Förderprogramme eine wichtige Rolle. Darüber hinaus wurde die Notwendigkeit einer sogenannten Fremdwasserentflechtung hervorgehoben. Ein wesentlicher Beitrag zur Überlastung im Bereich des Marktes stammt aus dem Oberlauf beziehungsweise dem ursprünglichen Quellbereich des Weilerbaches zwischen dem Naturschutzgebiet und dem Merscheider Weg. Obwohl dieser Gewässerlauf in den vorliegenden Kartengrundlagen nicht als solcher erfasst ist, führt er dauerhaft Wasser und wird im Siedlungsbereich in den Mischwasserkanal eingeleitet. Bei Starkregen führt dies zu einer zusätzlichen Beaufschlagung des Kanals und verstärkt die Überlastungssituation. Grundsätzlich ist es nicht vorgesehen, Außengebietswasser in ein Mischsystem einzuleiten, sodass hier langfristig eine Entkopplung angestrebt werden sollte. Als weitere mögliche Maßnahme wurde diskutiert, den Abfluss bereits vor Erreichen der Bebauung zu drosseln. Denkbar wäre beispielsweise, einen quer zum Gewässerlauf verlaufenden Weg anzuheben, um Wasser gezielt in vorgelagerte Flächen zurückzuhalten und den in die Ortslage gerichteten Abfluss zu drosseln. Eine Umsetzung solcher Lösungen setzt die Zustimmung der betroffenen Flächeneigentümer voraus.
Von den Teilnehmenden weitere, bestätigte Gefahrenbereiche/ Hinweise zur Prüfung:
- Maßnahmen am Weilerbach durch die Deutsche Bahn im Bereich des Durchlasses am Bahndamm: laut Aussage der Anlieger wurde hier eine Bachbetterhöhung vorgenommen und infolgedessen das Abflussvolumen am Durchlass verkleinert
- grundsätzlich: Abstellflächen der Bahn als Gefahrenpotenzial bei Kyll-Hochwasser
- Speicherer Mühle: Betroffenheit bei Kyll-Hochwasser (Hinweis: hier kommt insbesondere die private Eigenvorsorge zum Tragen, da sich die Bebauung innerhalb der natürlichen Gewässeraue und somit im ausgewiesenen Überschwemmungsbereich der Kyll befindet)
- geplanter Straßenumbau/-ausbau entlang der Bahnhofstraße sowie Kapellenstraße: Berichten zufolge ist die Umsetzung einer Niederbordbauweise geplant, was jedoch die Wasserführung im Straßenraum erheblich herabsetzt (bei Starkregen werden diese Straßenzüge derzeit als stark wasserführend beschrieben)
- Hochwasservorsorge entlang der Kyll: ganzheitliche, übergreifende Verbesserungen der Retention an der Kyll
- Sichtung des Weilerbaches sowie des (einmündenden) Lermesbaches zur Ausweisung von Retentionspotenzialen

